Mittwoch, 16. November 2011
Deutschland - Niederlande (3:0) 15.11.11
Beginnen wir diesen Blog doch gleich mit einer Analyse des Freundschaftsspiel gegen die Niederlande.

Die DFB-Elf gastierte in Hamburg und die Erwartungen an dieses Spiel waren groß, doch diese Erwartungen konnten nur von einem der beiden Teams erfüllt werden.

Aber das, was die deutsche Nationalmannschaft spielte, reichte für zwei Mannschaften. Chancenlose Holländer wurden über 90 Minuten dominiert und konnten der deutschen Kontrolle nichts entgegensetzen.

Joachim Löw hat es geschafft, der Nationalmannschaft ein sehr großes Spektrum an Fähigkeiten und Lösungen in allen taktischen Bereichen gegeben.

Mannschaftstaktisch waren heute vor allem die Tempowechsel entscheidend. Vor allen Toren, besonders beim Zweiten, wurde das Tempo angezogen und im Speziellen das Dreieck Müller, Özil, Klose erarbeitete sich innerhalb weniger Sekunden Freiräume, die sie klug zu nutzen wussten.
Besonders auffällig war die Tatsache, dass Özil immer wieder auf den rechten Flügel auswich. Wenn er dann auch noch die Flanken mit rechts so präzise ins Zentrum bringt, wird die deutsche Offensive jeden Gegner der Welt in Schwierigkeiten bringen können.

Legt man den Blickpunkt auf die beiden Sechser, so konnte Sami Khedira heute unterstreichen, dass er für die Nationalmannschaft unverzichtbar ist. Die, in solchen Spielen gegen andere EM-Favoriten besonders wichtigen, defensiven Aufgaben kann Khedira momentan noch besser lösen als Toni Kroos. Mehrfach gewann er den Ball durch Grätschen am eigenen Sechtzehner.

An dieser Stelle ist festzustellen, dass das Jammern auf hohem Niveau ist. Der Kader von Joachim Löw ist sehr, sehr breit und die Auswahl an Spielern, die man als unverzichtbar bezeichnen kann ist groß. Klose oder Gomez? Kroos, Khedira und Schweinsteiger streiten sich um höchstens zwei Plätze im defensiven Mittelfeld. Und die Dreier- oder Viererkette hinter dem Mittelstürmer hat mindestens das doppelte an Berwerbern. Götze mit Özil, oder nicht? Müller gesetzt? Schürrle? Podolski?
Achja, Lukas Podolski, neben Schweinsteiger das Gesicht der Nationalelf seit 2005.
Der Kölner konnte einem gegen die Niederlande fast leid tun. Wer sagt, dass er schlecht gespielt hat, hat das Spiel nicht richtig betrachtet. Er bekam überhaupt nicht die Möglichkeit, sich zu entfalten, er war eine Art "Juniorpartner" der rechten Angriffsseite. Oben genanntes Trio auf dem rechten Flügel brauchten gar nicht die Hilfe Podolskis. Sein Spiel zu bewerten, ist wie die Leistung einer Ersatzglühlampe zu bewerten, während die Hauptlampe durchgehend zu 110 % gearbeitet hat.

Die Kritker, die auch vom Übergang von Ribbecks Rumpelfussball zu löwscher Fussballkultur nicht überzeugt werden konnten, nahmen sich in letzter Zeit die deutsche Hintermannschaft zur Brust.
Viele wetterten gegen die Dreierkette von Kiew, mit der Löw seine Mannschaft angeblich überforderte.

Doch auch die Hintermannschaft ist eine der besten der Welt und mit einen differenzierten Blick auf die letzten Spiele, kann man sagen, dass die Defensive gut steht. Zwei Gegentore gegen die Ukraine fielen nach Ecken und sind individuellen Fehlern geschuldet.
Doch die individuellen Spieler sind absolute Klassespieler. Wenn Per Mertesacker seine kleinen Fehlerchen der letzen Wochen abstellt, gibt es auch in der Innenverteidigung drei Bewerber auf zwei Plätze.
Rechts hat sich Boateng für weitere Einsätze auf dieser Position qualifiziert und an Philipp Lahm gibt es sowieso nichts zu rütteln. Und auch wenn keiner dieser Spieler (noch) nicht die Zweikampfdominanz eines Nemanja Vidic oder Carles Puyol hat, haben sie eine Qualität, die Defensive stärkt. Gerade im Vergleich mit den Niederlanden und hier zu Joris Mathijsen ist der Spielaufbau, ganz besonders bei Hummels und Badstuber auf einem anderen Level. Und genau dieser Spielaufbau ist der Schlüssel zu einer stärkeren Abwehr. Ein sicherer, ruhiger und erfolgreicher Spielaufbau führt einerseits und im besten Fall zu Toren, andererseits ist die Zeit, die der Ball in den eigenen Reihen zirkulieren kann, Zeit, in der der Gegner keine Angriffe, keine Torchancen hat.
Deswegen brauchen wir uns auch hier keine Sorgen zu machen; die deutsche Mannschaft ist auf einem nie gesehen Höhepunkt ihrer Entwicklung und in der absoluten Weltspitze angekommen.

Den Beweis gab es heute in Hamburg.

An dieser Stelle geht es in Zukunft mit Analysen zu Bundesliga- und Europapokalspieltagen weiter.

Gute Nacht für heute

Lukas Dombrowski

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